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Der Brand der Triangle Shirtwaist Factory in New York

Gestern war es genau 105 Jahre her, dass sich in New York die bis dato schlimmste Feuerkatastrophe im industriellen Amerika ereignete.

Ein 1901 errichtetes Backsteingebäude im Greenwich Village, in Downtown Manhattan:

 

Es ist der 25. März 1911 und die 6-Tage-Woche der angestellten Näherinnen neigt sich dem Ende zu. In nur fünf Minuten läutet es zum Feierabend. Vielleicht sind die Arbeiterinnen in Gedanken vertieft, malen sich ihr Wochenende aus und freuen sich auf ihren freien Sonntag. Doch kurz vor Ende der letzten Schicht dieser Woche passiert die Katastrophe. Um 16.40 Uhr bricht an diesem Samstag ein Feuer im achten Stock des Gebäudes aus. Hinterher kann nicht mehr genau rekonstruiert werden, was der Auslöser war. Vermutlich eine brennende Zigarette, die achtlos in den Mülleimer geworfen wurde.
Image of Triangle Shirtwaist Factory fire on March 25 - 1911

Zu diesem Zeitpunkt befinden sich rund 600 Näherinnen in den obersten drei Etagen des zehnstöckigen Gebäudes. Die Blusenfabrik ist voller Stoffe, die sich schnell entzünden und zu einer raschen Verbreitung der Flammen führen. Die Eigentümer der Triangle Shirtwaist Factory, Max Blanck und Isaac Harris, befinden sich zu dieser Zeit im zehnten Stock und können sich über das Dach auf ein benachbartes Gebäude retten. Ihre Angestellten haben jedoch nicht so viel Glück. Durch die Vernachlässigung der Brandschutzverordnung der Inhaber gibt es in den drei Stockwerken keine Sprinkleranlagen. Von den vier installierten Fahrstühlen funktioniert nur einer und nach mehreren Fahrten, bei denen sich einige wenige Frauen in Sicherheit bringen können, fällt auch dieser aus. Das Feuer breitet sich immer schneller aus, überall ist dichter Qualm, der das Atmen schwer fallen lässt. Voller Panik springen die Frauen in den dunklen Fahrstuhlschacht und damit in den sicheren Tod. Die Angestellten im neunten Stockwerk haben kaum eine Chance auf Rettung. Die zwei Treppenhäuser sind nicht passierbar, das eine wegen der dichten Rauchentwicklung, das andere ist aufgrund von abgeschlossenen Türen nicht einmal zugänglich. Hunderte von Frauen sind in diesem großen Fabrikraum eingeschlossen. Wollen die Näherinnen nicht bei lebendigen Leib verbrennen, müssen sie den Sprung aus dem Fenster wagen.
Bodiesonthestreet-TriangleFactoryFire-1911

 

Neben der schlechten Feuerschutzauflagen innerhalb des Gebäudes besiegelt die Ausstattung der Feuerwehr das Schicksal der Frauen. Zum Entsetzen aller Augenzeugen reichen die Drehleitern nur bis zum sechsten Stock des Gebäudes. Auch die Auffangnetze sind in so schlechtem Zustand, dass jeder der Springerinnen unweigerlich zu Tode kommt.

An diesem traurigen Tag im März 1911 verlieren 146 junge Frauen ihr Leben. Frauen, die aus armen Verhältnissen stammen und nach Amerika auswanderten, auf der Suche nach einem besseren Leben.

 

Nachdem im April 1911 der vorsätzliche Verschluss der Fluchtwege aus Angst vor Diebstahl bekannt wurde, wurden die Besitzer Blanck und Harris wegen Mordes angeklagt, aufgrund ihrer guten politischen Verbindungen in der Stadt aber freigesprochen.

 

Durch diese Katastrophe wurden die Rufe nach einer Verbesserung der Arbeitsschutzbestimmungen lauter. Nur drei Monate nach dem Feuer-Inferno, am 30. Juni 1911, verabschiedete der damalige Gouverneur John Alden Dix ein Gesetz, das die Gründung der staatlichen Feuerschutzkommission zur Folge hatte. Den Vorsitz übernahm die spätere Arbeitsministerin Frances Perkins, die sich in den folgen Jahren intensiv für die Umsetzung der Rechte für Arbeitnehmer einsetzte. Seit 1938 regelt ein Gesetz die landesweiten Arbeitnehmerrechte.
Triangle Shirtwaist coffins

 

Leider ist dieses Thema noch immer hochaktuell. Gerade einmal drei Jahre ist es her, dass in Bangladesch eine riesige Textilfabrik, die für viele bekannte Marken Kleidung produzierte, aufgrund von erheblichen Sicherheitsmängeln einstürzte und unzählige Menschenleben, größtenteils das junger Frauen, kostete. Junge Frauen, die für einen Hungerlohn und zu unmenschlichen Arbeitsbedingungen den Unterhalt für ihre Familien erwirtschaften. Es kann nicht sein, dass noch immer Menschen sterben müssen, weil die westlichen Länder immer mehr und billiger einkaufen wollen und die Profitgier der Konzerne dabei wichtiger ist als das Leben zahlreicher Näherinnen in Asien und Afrika.

 

 

 

 

Quellennachweis: Vorschaubild und Beitragsbilder
von Bain News Service photograph [Public domain], via Wikimedia Commons

Cornell University, http://trianglefire.ilr.cornell.edu/primary/photosIllustrations/slideshow.html?image_id=746&sec_id=3#screen

The Pensacola Journal, http://chroniclingamerica.loc.gov/lccn/sn87062268/1911-03-31/ed-1/seq-1/

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Triangle_Shirtwaist_coffins.jpg

Library of Congress, http://loc.gov/pictures/resource/cph.3a35469/

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